Frankreich spricht mit der muslimischen Basis

Frankreich spricht mit der muslimischen Basis

Nach Konflikten um die “Charta der republikanischen Werte” und Spionagevorwürfen im CFCM sucht das französische Innenministerium den direkten Dialog mit der muslimischen Basis und den Moscheegemeinden.

Der Schritt kam nicht unerwartet und zeichnete sich schon länger ab. Das französische Innenministerium, verantwortlich für den Dialog mit den Religionsgemeinschaften im Land, umgeht die nationalen Verbandsspitzen der muslimischen Verbandslandschaft und sucht den direkten Kontakt zur muslimischen Basis und den Moscheegemeinden. In einem Brief vom 26. November 2021 dankt Innenminister Darmanin den muslimischen Teilnehmern der dritten Regionalkonferenz (Assises territoriales de l’islam de FranceATIF) im Frühjahr 2021 und kündigt neue Schritte in der Zusammenarbeit mit der muslimischen Community an.

Darminin bekennt sich in dem Schreiben zur religiösen Vielfalt im Land, die durch das Prinzip des Laizismus ermöglicht werde. Der muslimische Glaube wird als wesentlicher Bestandteil der Nation beschrieben. In wenigen Jahren seien lokale muslimische Strukturen entstanden, die es den einzelnen Gläubigen erlauben würden, ihren Glauben in völliger Freiheit auszuleben. Der Glaube inspiriere “unsere Mitbürger” zur wohltätigen und philanthropischen Arbeit. Mit der muslimischen Militär-, Gefängnis- und Krankenhausseelsorge werde zudem täglich demonstriert, dass die Republik die freie Ausübung der Religionspraxis garantiere. Und auf diesen Reichtum könne man stolz sein.

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Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

(Dieser Beitrag erschien erstmals auf “Religion&Recht” am 15.07.2020)

Noch vor einem Jahr bezeichnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Forderung nach der Umwandlung der Hagia Sophia als eine Rechnung, “dessen Kosten für uns zu hoch” wären. Mittlerweile müssen sich die Rechnungspositionen dermaßen verschoben haben, dass selbst ein solch “kostspieliger” Schritt für das politische Weiterbestehen notwendig erscheint.

Gebaut wurde die Hagia Sophia im 6. Jahrhundert nach Christus. Zur Moschee wurde sie mit der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen 1453, mit einem Kabinettsbeschluss 1934 der jungen türkischen Republik wurde sie, auch mit der Unterschrift des Rebuplikgründers Mustafa Kemal Atatürk, zu einem Museum. Diese Unterschrift dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass am 10. Juli 2020 erst der türkische Staatsrat (“danıştay”) den damaligen Beschluss für ungültig erklären musste, damit am selben Tag der aktuelle Präsident Erdoğan mit einem eigenen Erlass die Verwaltung der “Hagia Sophia Moschee” der türkischen Religionsbehörde Diyanet übertragen und das Gebäude  zum Gebet freigeben konnte.

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