Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publikation der “CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit” von Engin Karahan und Eren Güvercin

Die Phänomene Islam- und Muslimfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus erfahren trotz zunehmender Islam- und Muslimfeindlichkeit in Deutschland und in Europa insgesamt noch eine mangelhafte Wahrnehmung – sowohl von medialer, politischer als auch von gesellschaftlicher Seite her.

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Eingesperrt in der türkischen Diaspora

Die Verwendung des Begriffs „türkische Diaspora“ im türkisch-deutschen Kontext hat nicht einmal eine lange Geschichte. Gerade sechs bis sieben Jahre sind es her, dass der Begriff im türkischsprachigen Diskurs in Deutschland vermehrt auftauchte. So propagierte der damalige Leiter der Abteilung für Verbandskommunikation und spätere Generalsekretär der IGMG, der heutige AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu, die Verwendung dieses Begriffes – eher im verbandsinternen Alleingang – als eine selbstgewählte Selbstbeschreibung des türkischstämmigen Migranten in Deutschland und Europa. Als AKP-Abgeordneter versuchte er diesen Begriff zur bestimmenden Politik im Umgang der Türkei mit „ihren“ Auslandstürken zu postulieren – bisher mit eher wechselhaftem Erfolg.

Werfen wir einen Blick auf die Genese dieses Begriffs im türkisch-deutschen Kontext, wird klar, warum der Durchbruch außerhalb von türkisch-identitären Kreisen bisher ausgeblieben ist: Dem Konzept und dem Begriff fehlt es an Aufrichtigkeit. Er verspricht ein neues Selbstbewusstsein und reproduziert doch nur alte Unsicherheiten. Er verspricht Authentizität und kann doch nur mit der vermeintlichen Adaption eines fremden, anderen Lebensgefühls aufwarten. Motiviert ist seine Nutzung von dem Versuch, das Selbstverständnis des „gurbet“, der Fremde und dem „gurbetci“, als dem in die Fremde gezogenen Türken abzulösen. Diese werden als verstaubt und antiquiert angesehen, ihre häufige Wiederholung aus der Türkei heraus selbst von hiesigen türkisch-konservativen als mindestens „nervig“ wahrgenommen. Die Rückkehr-Sehnsucht, die dieser Vorstellung immanent ist, sollte abgeschüttelt werden – so lautete zumindest eines der frühen Argumente für den Diaspora-Begriff. Dabei ist die Rückkehr-Sehnsucht dem Diaspora-Begriff immanent, weshalb die Auswahl dieses Begriffes als wenig nachvollziehbar erscheint. Weiterlesen

Werkstattgespräch „Perspektive der Deutschen Islam Konferenz“

Wie soll es mit der Deutschen Islam Konferenz in dieser Legislaturperiode weitergehen? Welche Themen soll die Deutsche Islam Konferenz schwerpunktmäßig behandeln, wer sind die Zielgruppen – und was wäre, wenn es die Deutsche Islam Konferenz eines Tages nicht mehr gäbe?

Dies waren die Kernfragen, zu denen das Bundesministerium des Innern einen ausgewählten, vielfältig zusammengesetzten Kreis von etwa 40 Personen am 19. März 2018 eingeladen hat, um offen darüber zu diskutieren. Mit dabei waren sowohl deutsche Muslime als auch Expertinnen und Experten, die sich als wichtige Stimmen zum Thema Muslime in Deutschland – Deutsche Muslime hervorgetan haben. Zu den Teilnehmern gehörte auch Engin Karahan.

Studie: Muslime fühlen sich Europa zugehörig – ein Kommentar

Die zweite Erhebung der Europäischen Union zu Minderheiten und Diskriminierungen vermittelt Hoffnung und Sorge zugleich. Sorge, weil das Problem von Diskriminierungen von Minderheiten zwar eine gesamtgesellschaftliche Relevanz hat aber noch immer keine gesamtgesellschaftliche Beachtung findet. Hoffnung vermittelt sie, weil zumindest die Mehrheit der Betroffenen von diesen Erfahrungen nicht ihr Zugehörigkeitsgefühl in das hier und jetzt abhängig machen.

Greifen wir erst einmal die schlechten Nachrichten auf. 39 % der über 10.000 Befragten fühlten sich in den fünf Jahren vor der Erhebung aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Migrationshintergrundes in einem oder mehreren Bereichen des Alltags – Beschäftigung, Bildung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und bei der Inanspruchnahme von öffentlichen oder privaten Dienstleistungen – diskriminiert. Hinzu kommt, dass die Betroffenen nach eigenen Angaben mindestens fünfmal pro Jahr solch eine Erfahrung machen müssen. Über die Hälfte der Wohnungssuchenden und fast die Hälfte der Arbeitssuchenden hatte bereits das Gefühl, wegen ihren Vor – und Nachnamens diskriminiert worden zu sein. Die Sichtbarkeit der Religionszugehörigkeit scheint zudem das Risiko einer Diskriminierung zu erhöhen: 39 % der muslimischen Frauen, die in der Öffentlichkeit ein Kopftuch oder einen Gesichtsschleier tragen, haben Belästigungen erlebt, verglichen mit 23 % der nicht verschleierten Frauen. Weiterlesen

Tagesspiegel-Causa: Die Moschee im Dorf lassen

Tagesspiegel-Causa: Die Moschee im Dorf lassen

Am 12. April 2017 ist der Beitrag “Die Moschee im Dorf lassen – DITIB und der türkische Einfluss” von Engin Karahan auf der Debattenplattform Causa des Tagesspiegels erschienen:

Die aktuell laufende Debatte um die Spitzelvorwürfe gegenüber der DITIB lassen andere muslimische Gemeinschaften in Deutschland nicht unbeeindruckt zurück. Die Vorwürfe beschränken sich zwar auf die DITIB, von den Auswirkungen sind aber auch Islamrat, VIKZ, ZMD und sogar die AABF betroffen. Das Land Niedersachsen hat die Staatsvertragsverhandlungen mit allen Landesvertretungen der Gemeinschaften eingestellt, das Land NRW lässt nach einer rechtlichen und soziologischen Begutachtung nun auch mögliche politische Implikationen begutachten – bei allen beteiligten Gemeinschaften.

Was innerhalb der DITIB zu Beginn noch als Beamtenübereifer und völlige Fehleinschätzung einiger Karrieristen hinsichtlich der Verantwortung als Religionsgemeinschaft in Deutschland begann, hat sich mittlerweile zu einer handfesten Struktur- und Daseinsdebatte über die DITIB und zu einer Loyalitäts- und Zugehörigkeitsdebatte mit Blick auf die türkischstämmigen Muslime in Deutschland entwickelt. Eine Entwicklung, zu der insbesondere das verworrene und intransparente Auftreten der DITIB-Führung einen großen Beitrag geleistet hat.

Hier geht es zum Beitrag auf Tagesspiegel.de

Imamausbildung in Deutschland – Notwendigkeit und Probleme

Mit viel Eifer und Interesse wird das Thema Imam-Ausbildung seit einigen Monaten in Deutschland diskutiert. Die Frage nach der Notwendigkeit wird in diesen Debatten zu Recht nicht mehr gestellt. Nach neuesten Angaben leben über 4,5 Millionen Muslime in Deutschland, viele werden in über 2000 Moscheegemeinden unterschiedlicher Größe betreut. Schon die Versorgung dieser Gemeinden ist heute mit einem recht großen organisatorischen Aufwand verbunden, bei dem es darum geht, mitunter zahlreiche Unbekannte zu meistern.

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Braucht nur die Türkei Religionsfreiheit?

Bundestagspräsident Norbert Lammert setzt sich in einem Schreiben an seinen türkischen Amtskollegen Mehmet Ali Şahin für die Religionsfreiheit der Christen in der Türkei ein. So heißt es in dem Schreiben: „Bestärkt durch die bemerkenswerten Worte von Ministerpräsident Erdogan, in Istanbul könne jede Kultur ihre eigene Identität finden, verbinde ich mit diesem Dank zugleich meine Hoffnung auf einen wachsenden Ehrgeiz der verantwortlichen türkischen Behörden, die freie christliche Religionsausübung in der Türkei zu schützen.“ Weiterhin appelliert er an Şahin, sich mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für das Recht der Kirchen, über die vorhandenen Gotteshäuser als eigenen Besitz zu verfügen und ihre Religion frei zu praktizieren einzusetzen. Weiterlesen

Der „tatsächliche Wertekonsens“ im Streit mit dem Pluralismus des Grundgesetzes

In die Integrationsdebatte fallen immer wieder neue Begriffe ein, die zweitweise die Diskussion zu bestimmen scheinen, dann aber nach einer gewissen Zeit in den Hades der verbrauchten Begriffe Eingang finden. Manche Begriffe scheint man aber nicht loswerden zu können. Immer dann, wenn man glaubt, sie wären wegen ihrer Inhaltsleere aus der Diskussion verschwunden, kommen sie unter einem anderen Gewand wieder zum Vorschein. Die Vorstellung von einer „Leitkultur“ ist solch ein Begriff. Das neue Gewand heute: der „tatsächliche Wertekonsens“. Dieser Begriff taucht mittlerweile immer häufiger im Sprachgebrauch konservativer Politiker auf. Besonders als Abgrenzungskriterium gegenüber gesellschaftlichen Neuentwicklungen wird von ihm rege Gebrauch gemacht.

Was bedeutet nun der Begriff des „tatsächlichen Wertekonsenses“? Gerade in Bezug auf die deutsche Gesellschaft, die vielfältig und vielschichtig ist und auf Heterogenität und Differenz beruht, bedarf diese Frage einer Antwort. Welchen tatsächlichen Wertekonsens hat eine Gesellschaft, deren Individuen sich konservativ, liberal, sozial-demokratisch, links, apolitisch, religiös, protestantisch, katholisch, jüdisch, muslimisch, atheistisch und vieles andere noch nennen? Kann es neben den normativen Werten des Grundgesetzes einen tatsächlichen Wertekonsens in der Gesellschaft geben? Wird damit nicht eine Homogenität konstruiert, die in dieser, unseren Gesellschaft aufgrund ihrer pluralen Ausrichtung gerade nicht vorhanden ist und sein kann? Weiterlesen