Nach Thüringen – als Muslim jetzt erst recht

Dieser Beitrag erschien erstmals am 06. Februar 2020 in der Rubrik “Resonanzraum” der Alhambra Gesellschaft e.V.

“Das kann nicht sein, das können die nicht gemacht haben!”, so lautet die mildeste Reaktion in meinem Umfeld auf die Wahl des FDP-5%-Kandidaten Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen, und zwar mit der vollen Unterstützung der AFD- Fraktion hinter dem Nazi Höcke. “Es fängt wieder an!”, ist eine andere, schmerzlichere Feststellung.

©Marco Verch – https://flic.kr/p/2hAvbXJ
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Besonders in meinem muslimischen Umfeld dominiert die letztere Variante. Kann man es ihnen verdenken? Seien wir einmal ehrlich, wenn die AfD weiteres Gewicht in der Politik bekommt und die “gemäßigte Mitte” sich immer mehr für den Rechtsradikalismus öffnet, so werden dies noch vor allen anderen die Minderheiten in diesem Land zu spüren bekommen: Muslime, Juden, Flüchtlinge und alles was dem “neu-erstarkten deutschen Wesen” als Feind erscheint. An diesem Wesen, das steht außer Zweifel, werden wir Muslime und Juden, Migranten und andere sog. “Randgruppen” nicht genesen. Mag der autochthone, biodeutsche “aufrichtige Demokrat” wieder einmal die Option haben, sich den “Umständen” anzupassen und ins Glied einzureihen. Wir haben diese nicht.

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„Kurzzeit“-Imame bleiben – trotz CDU2017

„Das vielfach praktizierte Modell des “Import-Imam”, der aus dem Ausland geschickt und bezahlt wird und kaum deutsch spricht, ist ein Hindernis für gute Integration“, heißt es in einem aktuellen Positionspapier der Unions-Arbeitsgruppe „CDU2017“. Neben anderem wird in dem Papier auch auf die Notwendigkeit deutschsprachiger Imame abgestellt und der „Import“ von Imamen aus dem Ausland kritisiert. Medial wird das Plädoyer des jungen CDU-Abgeordneten Jens Spahn als Forderung eines Einreiseverbots für diese Kurzzeit-Imame “Bild”: CDU-Politiker wollen Einreiseverbot für Kurzzeit-Imame.

Dabei fehlt es für solch eine Forderung an einer rechtlichen Grundlage. Der Versuch der rechtlichen Behinderung der Einreise würde zahlreiche Komplikationen auch für Kirchen und andere Gemeinschaften nach sich ziehen, wenn es denn am Ende nicht mit einer Sonderregelung nur für Muslime „gelöst“ werden sollte.

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Das europäische Kalifat und die Unmöglichkeit einer muslimisch-theologischen Debatte

Entsetzt dürften manche Christdemokraten reagiert haben, als sie die Nachricht auf „Welt Online“ lasen. In einem CDU-nahen europäischen Think-Thank soll tatsächlich ein Europa-Kalif gefordert worden sein, zusammen mit der Scharia und allem drum und dran. Besonders die selbsternannte CDU-Extremismusexpertin Kristina Köhler konnte ihre Empörung nicht verbergen.

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