Französische Revolution in der IGMG – eine IGMG, viele Gesichter?

Französische Revolution in der IGMG – eine IGMG, viele Gesichter?

Der Diskurs über Islam und Muslime in Deutschland und anderen europäischen Staaten nimmt in diesen bewegten Zeiten nicht an Intensität ab. Die Zahl der Beiträge wird zwar mehr, nicht jedoch unbedingt die Zahl der Wortmeldungen auf Seiten der muslimischen Gemeinschaften. Für Öffentlichkeit und Medien ist es aktuell eher schwierig, überhaupt an O-Töne von Vertretern der muslimischen Gemeinschaften zu kommen. Dies zeigte sich auch in einem Pressegespräch des “Mediendienst Integration” am 17. November 2020 unter dem Titel “Berichten über Islam-Themen: Wie kann man Gemeinden richtig einschätzen und ansprechen?”

Hinzu kommt, dass das Handeln und die Kommunikation von manchen muslimischen Gemeinschaften immer wieder erratische Züge aufweist. Logische Brüche und Widersprüche von Aussagen der jeweiligen Zentralen zu Aussagen der Untergliederungen erschweren die Erkenntnis darüber, welche Positionen “verbandlich” sind, welche der Aussagen im Rahmen eines innerverbandlichen Diskurses entstanden sind oder eher aus der jeweiligen Situation heraus formuliert werden.

Ein aktuelles Beispiel dieser Problematik finden wir in einer Erklärung der französischen Untergliederung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG), der Confédération Islamique Milli Gorus France (CIMG). In der Erklärung vom 19. November äußert sich die CIMG zu dem Gipfel des französischen Präsidenten Macrons mit dem „Kultusrates der französischen Muslime“ (CFCM). Auf dem Gipfel verpflichtete sich die CFCM und ihre Mitgliedsverbände dazu, innerhalb von zwei Wochen mit einer “Charta der republikanischen Werte” einen verbindlichen Wertekanon für Imame in Frankreich vorzulegen. Zudem soll ein “Nationaler Imamrat” eingerichtet werden, der für die Ausbildung und Zulassung der Imame zuständig sein soll. Die Funktion des Rates soll jedoch nicht nur auf Fragen der Qualität der Imame beschränkt sein, auch dem Import von Imamen aus dem Ausland soll damit ein Riegel vorgeschoben werden.

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Repräsentanz und Inhalte in der muslimischen Verbandslandschaft

Ein grundsätzliches Problem der muslimischen Community ist, dass Repräsentanz nicht immer mit Inhalten ausgefüllt wird. Kooperationspartner und behördliche Gesprächspartner klagen dann immer wieder, dass man mit muslimischen Vertretern zusammenkommen und sich gut unterhalten kann, aber inhaltlich kaum ein Input kommt. Auch als Community bekommen wir aber immer seltener mit, ob und welche Positionen es von Verbandsseite zu Themen gibt, die uns alle betreffen.

Mittlerweile verschiebt sich die Klage über die muslimische Repräsentanz jedoch immer mehr in eine Richtung, bei der nicht die fehlenden Inhalte beklagt werden, sondern bereits die fehlende Präsenz. Am Austausch und an der Zusammenarbeit Interessierte finden kaum noch Ansprechpartner.

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Und dann öffnet sich die Moschee doch nur einen Tag

Noch sitzt den meisten Muslimen der Schock der Wahlnacht in den Knochen. Eine offen islamfeindliche und rechtsextreme Partei hat den Einzug in den Bundestag geschafft. Islamfeindliche Positionen sind damit nicht mehr nur auf die Profilierungsbedürfnisse der Rechtsaußen-Flügel der Parteien beschränkt, sie bekommen mit der AfD nun auch eine fraktionell-institutionalisierte Stimme.

Unabhängig davon, ob die anderen Parteien mit der Losung „die Sorgen ernst nehmen” den Diskurs der AfD vervielfältigen und weiter in die Mitte der Gesellschaft holen, wird schon die Präsenz der AFD im Bundestag und die sich ihr damit neu eröffnenden parlamentarischen Möglichkeiten den öffentlichen Diskurs über und mit Muslimen maßgeblich erschweren. Für Muslime in Deutschland sorgt so die Wahl der AfD in der Bundestag für Besorgnis und Unsicherheit.

Diese Besorgnis ist für einige Aktive mitten in die Vorbereitungen des Tags der offenen Moschee (TOM) gefallen. In vielen Moscheen sorgt der TOM auch so schon für sehr viel emsige Betriebsamkeit. Es ist der Tag, an dem die Moschee besonders schön hergerichtet wird, die Jugendlichen sich auf die Anfragen der Besucher vorbereiten. Essen und Speisen werden für die Gäste vorbereitet, Broschüren und Auslagematerial bestellt. Und immer wieder ist dann das Resultat am 03. Oktober: Kaum jemand schaut vorbei. Aufwand und Vorbereitung schlagen sich immer seltener in Besucherzahlen nieder. Statt wie erhofft einen Beitrag zum Verständnis des Islams und zum gesamtgesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten, bleiben die einladenden Gemeinden mit einem Gefühl der Frustration zurück. Weiterlesen

Repräsentation und Öffentlichkeitsarbeit muslimischer Religionsgemeinschaften

Die letzten Monate waren für Vertreter der muslimischen Gemeinschaften nicht sehr einfach. Die Krisen gaben sich an der Verbandspforte die Klinke in die Hand. Betroffen von den einzelnen Krisen waren dann am Ende auch wieder alle zusammen. Das Getrieben-Sein ist jedoch nicht unbedingt ein “fremdgesteuerter” Zustand, vielmehr entstand und entsteht noch weiterhin der Eindruck, dass die Gemeinschaften sich am liebsten noch selbst ein Bein stellen. Besonders wird dies in der aktuellen Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinschaften deutlich.

Von einer proaktiven, die eigenen Inhalte bestimmenden und eigene Positionen einbringenden Öffentlichkeitsarbeit kann insgesamt leider nicht gesprochen werden. Vielmehr nehmen wir muslimische Gemeinschaften zumeist öffentlich nur dann wahr, wenn über sie berichtet wird. Die Gemeinschaften treten in diesem Fall eher reagierend auf. Es fehlen die Inhalte, die eine gewisse Originalität besitzen und so auch die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit auf sich ziehen könnten. Ohne entsprechenden Inhalte  ist es tatsächlich schwierig, von sich aus an die Öffentlichkeit zu treten. Was soll dann denn kommuniziert werden? Weiterlesen