Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Die muslimische Jugendarbeit ist in einem Transformationsprozess. Einerseits diversifiziert sie sich in ihrer institutionellen Ausgestaltung, andererseits etabliert sich immer mehr die Wahrnehmung der muslimischen Jugendarbeit als die Erfüllung einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Dabei kommen sowohl auf Akteure der muslimischen Jugendarbeit als auch Vertretern von Verwaltung und Politik neue Herausforderungen zu.

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Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Die etablierten Moscheegemeinden wandeln sich. Daneben gibt es neu entstehende soziale Einrichtungen und Träger, deren Akteure zwar eine religiöse Motivation haben, ohne jedoch Religionsgemeinschaft oder religiöser Verein sein zu wollen. VON ENGIN KARAHAN

(erschienen in Herder Korrespondenz, September 2018, S. 16-18, [PDF])

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Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publikation der “CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit” von Engin Karahan und Eren Güvercin

Die Phänomene Islam- und Muslimfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus erfahren trotz zunehmender Islam- und Muslimfeindlichkeit in Deutschland und in Europa insgesamt noch eine mangelhafte Wahrnehmung – sowohl von medialer, politischer als auch von gesellschaftlicher Seite her.

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Repräsentanz und Inhalte in der muslimischen Verbandslandschaft

Ein grundsätzliches Problem der muslimischen Community ist, dass Repräsentanz nicht immer mit Inhalten ausgefüllt wird. Kooperationspartner und behördliche Gesprächspartner klagen dann immer wieder, dass man mit muslimischen Vertretern zusammenkommen und sich gut unterhalten kann, aber inhaltlich kaum ein Input kommt. Auch als Community bekommen wir aber immer seltener mit, ob und welche Positionen es von Verbandsseite zu Themen gibt, die uns alle betreffen.

Mittlerweile verschiebt sich die Klage über die muslimische Repräsentanz jedoch immer mehr in eine Richtung, bei der nicht die fehlenden Inhalte beklagt werden, sondern bereits die fehlende Präsenz. Am Austausch und an der Zusammenarbeit Interessierte finden kaum noch Ansprechpartner.

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Nur ein Gefühl der Genugtuung und einige hassende Jugendliche mehr

Ich muss gestehen, ich blicke gerade auch nur noch mit Erstaunen auf den aktuell laufenden Özil-Diskurs und denke mir “Leute, was geht da vor”. Meine Verwirrung speist sich dabei aus der Frage, was aus den ganzen Jugendlichen werden soll, die diese Debatte mitbekommen. Und mich wundert es, wer alles in den #dankeMesut Modus einsteigt. Aber sicherlich nicht, weil ich die Position von durch und durch rassistischen Biedermännern wie Grindel oder Reichelt nachvollziehen kann.

Rassismus ist prägend und bestimmend in diesem Diskurs, das steht hier gar nicht zur Diskussion. Aber Özils Reaktion darauf verhöhnt alles, wofür ich mich persönlich mittlerweile ein Viertel Jahrhundert, davon wohl über 15 Jahre bewusst, in der Community einsetze. Er vermittelt den Jugendlichen nämlich keinerlei Art von Resilienz, er hilft ihnen nicht bei der Bewältigung ihres Alltagsrassismus, er gibt ihnen nichts an die Hand, um gegen diesen Rassismus aufzubegehren, anzukämpfen, weiterzukämpfen. Weiterlesen

Eingesperrt in der türkischen Diaspora

Die Verwendung des Begriffs „türkische Diaspora“ im türkisch-deutschen Kontext hat nicht einmal eine lange Geschichte. Gerade sechs bis sieben Jahre sind es her, dass der Begriff im türkischsprachigen Diskurs in Deutschland vermehrt auftauchte. So propagierte der damalige Leiter der Abteilung für Verbandskommunikation und spätere Generalsekretär der IGMG, der heutige AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu, die Verwendung dieses Begriffes – eher im verbandsinternen Alleingang – als eine selbstgewählte Selbstbeschreibung des türkischstämmigen Migranten in Deutschland und Europa. Als AKP-Abgeordneter versuchte er diesen Begriff zur bestimmenden Politik im Umgang der Türkei mit „ihren“ Auslandstürken zu postulieren – bisher mit eher wechselhaftem Erfolg.

Werfen wir einen Blick auf die Genese dieses Begriffs im türkisch-deutschen Kontext, wird klar, warum der Durchbruch außerhalb von türkisch-identitären Kreisen bisher ausgeblieben ist: Dem Konzept und dem Begriff fehlt es an Aufrichtigkeit. Er verspricht ein neues Selbstbewusstsein und reproduziert doch nur alte Unsicherheiten. Er verspricht Authentizität und kann doch nur mit der vermeintlichen Adaption eines fremden, anderen Lebensgefühls aufwarten. Motiviert ist seine Nutzung von dem Versuch, das Selbstverständnis des „gurbet“, der Fremde und dem „gurbetci“, als dem in die Fremde gezogenen Türken abzulösen. Diese werden als verstaubt und antiquiert angesehen, ihre häufige Wiederholung aus der Türkei heraus selbst von hiesigen türkisch-konservativen als mindestens „nervig“ wahrgenommen. Die Rückkehr-Sehnsucht, die dieser Vorstellung immanent ist, sollte abgeschüttelt werden – so lautete zumindest eines der frühen Argumente für den Diaspora-Begriff. Dabei ist die Rückkehr-Sehnsucht dem Diaspora-Begriff immanent, weshalb die Auswahl dieses Begriffes als wenig nachvollziehbar erscheint. Weiterlesen

Waffen gestalten nicht, sie schaffen Fakten, Tote, Verletzte und perpetuiertes Leid

Kann es nur exakt zwei Haltungen zu Afrin geben, die eine türkisch, die andere kurdisch, und jeder hat sich auf eine Seite zu schlagen? Der gesunde Menschenverstand würde wohl in jedem anderen Fall sagen: Quatsch, es gibt kein schwarz und weiß. Hier scheint das unmöglich zu sein. Gerade in der türkischstämmigen Community scheinen wir mittlerweile epistemisch in dermaßen unterschiedlichen Welten zu leben, dass die Grundlage für ein Verstehen immer mehr abhanden kommt. Ich gehöre zu denen, die kein Verständnis für die Militäroffensive zeigen, habe dabei aber einen türkischen Hintergrund, komme selbst aus einem konservativ-religiösen Milieu (ohne mich selbst als konservativ zu verstehen) und sehe die PKK(PYD usw) als menschenverachtende Terrororganisation an, mit der ich schon ideologisch nichts anfangen kann, aber noch weniger mit ihrer Grausamkeit und Gewalt. Dennoch wird meine Position aus Teilen der eigenen Community als “Terrorversteher” wahrgenommen. Wie sie von der anderen Seite wahrgenommen wird, weiß ich gar nicht, weil ich dorthin überhaupt keinen Bezug habe.

Dass ich kein Verständnis für eine militärische Aktion zeige, macht mich aber nicht zu einem Terrorversteher, sondern liegt in der gleichen Ursache, warum ich Terrorgruppen wie PKK und PYD gerne zum Teufel jagen würde: im Einsatz von Waffengewalt. Nicht ihre Ideologie oder ihre Seperationsbemühungen sind es (mit denen ich nebenbei auch nichts anfangen kann), sondern ihr Griff zu den Waffen, ihr Vertrauen auf Gewalt und Grausamkeit. Weiterlesen

Inner-Community Krisenbewältigung, gibt es so etwas?

Durch die muslimische Community in den USA scheint aktuell gerade ein Hurrikan durch zu fahren (für einen ersten Überblick siehe hier: Navigating the Nouman Ali Khan scandal). Hier bekommt man von der ganzen Debatte zwar nur Bruchstücke mit, aber der gesamte Diskurs ist schon faszinierend.

Dabei geht es mir gar nicht darum, wer Recht haben könnte. Einfach zu sehen, welche Mechanismen in den Anfeindungen greifen, wie teilweise “hochgebildete” Menschen sich in niedersten Verunglimpfungen (auf beiden Seiten) ergehen, und inbesondere aus rechtlicher Perspektive mir noch immer nicht klar ist, was da überhaupt passiert sein soll, das ist alles auf seine ganz eigene Art und Weise wiederum schon faszinierend. Weiterlesen

Und dann öffnet sich die Moschee doch nur einen Tag

Noch sitzt den meisten Muslimen der Schock der Wahlnacht in den Knochen. Eine offen islamfeindliche und rechtsextreme Partei hat den Einzug in den Bundestag geschafft. Islamfeindliche Positionen sind damit nicht mehr nur auf die Profilierungsbedürfnisse der Rechtsaußen-Flügel der Parteien beschränkt, sie bekommen mit der AfD nun auch eine fraktionell-institutionalisierte Stimme.

Unabhängig davon, ob die anderen Parteien mit der Losung „die Sorgen ernst nehmen” den Diskurs der AfD vervielfältigen und weiter in die Mitte der Gesellschaft holen, wird schon die Präsenz der AFD im Bundestag und die sich ihr damit neu eröffnenden parlamentarischen Möglichkeiten den öffentlichen Diskurs über und mit Muslimen maßgeblich erschweren. Für Muslime in Deutschland sorgt so die Wahl der AfD in der Bundestag für Besorgnis und Unsicherheit.

Diese Besorgnis ist für einige Aktive mitten in die Vorbereitungen des Tags der offenen Moschee (TOM) gefallen. In vielen Moscheen sorgt der TOM auch so schon für sehr viel emsige Betriebsamkeit. Es ist der Tag, an dem die Moschee besonders schön hergerichtet wird, die Jugendlichen sich auf die Anfragen der Besucher vorbereiten. Essen und Speisen werden für die Gäste vorbereitet, Broschüren und Auslagematerial bestellt. Und immer wieder ist dann das Resultat am 03. Oktober: Kaum jemand schaut vorbei. Aufwand und Vorbereitung schlagen sich immer seltener in Besucherzahlen nieder. Statt wie erhofft einen Beitrag zum Verständnis des Islams und zum gesamtgesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten, bleiben die einladenden Gemeinden mit einem Gefühl der Frustration zurück. Weiterlesen

Studie: Muslime fühlen sich Europa zugehörig – ein Kommentar

Die zweite Erhebung der Europäischen Union zu Minderheiten und Diskriminierungen vermittelt Hoffnung und Sorge zugleich. Sorge, weil das Problem von Diskriminierungen von Minderheiten zwar eine gesamtgesellschaftliche Relevanz hat aber noch immer keine gesamtgesellschaftliche Beachtung findet. Hoffnung vermittelt sie, weil zumindest die Mehrheit der Betroffenen von diesen Erfahrungen nicht ihr Zugehörigkeitsgefühl in das hier und jetzt abhängig machen.

Greifen wir erst einmal die schlechten Nachrichten auf. 39 % der über 10.000 Befragten fühlten sich in den fünf Jahren vor der Erhebung aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder ihres Migrationshintergrundes in einem oder mehreren Bereichen des Alltags – Beschäftigung, Bildung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und bei der Inanspruchnahme von öffentlichen oder privaten Dienstleistungen – diskriminiert. Hinzu kommt, dass die Betroffenen nach eigenen Angaben mindestens fünfmal pro Jahr solch eine Erfahrung machen müssen. Über die Hälfte der Wohnungssuchenden und fast die Hälfte der Arbeitssuchenden hatte bereits das Gefühl, wegen ihren Vor – und Nachnamens diskriminiert worden zu sein. Die Sichtbarkeit der Religionszugehörigkeit scheint zudem das Risiko einer Diskriminierung zu erhöhen: 39 % der muslimischen Frauen, die in der Öffentlichkeit ein Kopftuch oder einen Gesichtsschleier tragen, haben Belästigungen erlebt, verglichen mit 23 % der nicht verschleierten Frauen. Weiterlesen


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