Alle Beiträge von Engin Karahan

Angriff auf die Moschee – was tun?

Angriff auf die Moschee – was tun?

Die Angriffe auf Moscheen in den letzten Wochen haben für unterschiedliche Diskussionen gesorgt, ob es sich bei den betroffenen Moscheen um türkische oder deutsche Einrichtungen handelt, welche Rolle Medien und Politik dabei spielen usw. Eine Frage blieb dabei unbeantwortet: Was können die betroffenen Moscheegemeinden tun und wie können sich die Gemeinden im Allgemeinen auf solch einen Vorfall vorbereiten? Denn konkrete Schritte um mit solch einem Vorfall umzugehen, braucht es weit vor einem tatsächlichen Übergriff.

Obwohl die Zahl der Anschläge in unterschiedlichen Formen auf Moscheegemeinden in den letzten Jahren zugenommen hat, ist das Thema im institutionellen Handeln der muslimischen Gemeinschaften nicht angekommen. Solche Vorfälle dürfen zwar nicht als etwas Alltägliches oder Normales hingenommen werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sie nicht außerhalb des Wahrscheinlichen liegen. Die aktuellen Angriffe zeigen zudem, dass ihre Auslöser nicht nur in innerdeutschen Islamdebatten liegen müssen. Die gestiegene Sichtbarkeit von Moscheen führt auch dazu, dass sie von Spinnern, die eine politische Message verbreiten wollen, als geeignetes Objekt dafür gesehen werden.

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Muslimische Perspektiven auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland: Hindernisse, Bedenken und Möglichkeiten

Muslimische Perspektiven auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland: Hindernisse, Bedenken und Möglichkeiten

Im Rahmen des Projektes »Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus« wurden im Laufe der Projektzeit (2015-2019) wissenschaftliche Artikel zu unterschiedlichen Fragestellungen in Auftrag gegeben, die unmittelbar der Projektarbeit entsprangen. Vor diesem Hintergrund lieferten die Artikel konzeptionelle und/oder theoretische Erkenntnisse, die die Arbeit des Präventionsnetzwerks grundlegend beeinflussten.

Einen dieser Beiträge stellt eine von Engin Karahan Anfang des Jahres 2016 verfasste Kurz-Expertise dar, die auf der Grundlage von qualitativen Interviews mit Vertretern muslimischer Gemeinschaften, deren Perspektiven und Eindrücke auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland erfassen, systematisieren und fachkundig verständlich machen soll.

Grundlage der Expertise sind fünf Interviews mit Vertretern unterschiedlicher, im Koordinationsrat der Muslime vertretener Gemeinschaften. Die Interviewpartner wurden für die Interviews persönlich angesprochen. Es handelt sich bei ihnen jeweils um Entscheidungsträger in ihrem jeweiligen Verband, in deren Zuständigkeitsbereich der Themenkomplex Prävention fällt oder in der nahen Vergangenheit gefallen ist.

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Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

(Dieser Beitrag erschien erstmals auf “Religion&Recht” am 15.07.2020)

Noch vor einem Jahr bezeichnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Forderung nach der Umwandlung der Hagia Sophia als eine Rechnung, “dessen Kosten für uns zu hoch” wären. Mittlerweile müssen sich die Rechnungspositionen dermaßen verschoben haben, dass selbst ein solch “kostspieliger” Schritt für das politische Weiterbestehen notwendig erscheint.

Gebaut wurde die Hagia Sophia im 6. Jahrhundert nach Christus. Zur Moschee wurde sie mit der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen 1453, mit einem Kabinettsbeschluss 1934 der jungen türkischen Republik wurde sie, auch mit der Unterschrift des Rebuplikgründers Mustafa Kemal Atatürk, zu einem Museum. Diese Unterschrift dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass am 10. Juli 2020 erst der türkische Staatsrat (“danıştay”) den damaligen Beschluss für ungültig erklären musste, damit am selben Tag der aktuelle Präsident Erdoğan mit einem eigenen Erlass die Verwaltung der “Hagia Sophia Moschee” der türkischen Religionsbehörde Diyanet übertragen und das Gebäude  zum Gebet freigeben konnte.

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Çağrıcı: „Necip Fazıl – ein Mensch der Ideologie“

Necip Fazıl Kısakürek (geb. 1904) ist in der Türkei nicht erst mit der AKP-Regierungszeit zu Ruhm gekommen, zumal er bereits 1983 verstarb. Aber wohl kaum in einer anderen Phase des Landes war NFK, wie er gerne abgekürzt wird, mit seinem Werk so wirkmächtig, wie in den letzten fast 20 Jahren. Seine Rezeption ist in konservativen Kreisen weit verbreitet, selbst der Präsident hat in seinen Reden immer wieder einen passenden Vers parat. Die Kritik an Kısakürek aus dem linken und kemalistischen Spektrum dürfte in ihrer Intensität der Glorifizierung auf der konservativen Seite entsprechen. Ein aktuelles Beispiel dieser Kritik kann man in Hasan Aksals „Türk Muhafazakarlığı’ (Der türkische Konservatismus) nachlesen, der ich mich inhaltlich auch weitgehend anschließen kann.

Was relativ selten wahrgenommen wird, ist die Kritik an Kısakürek von wiederum anderen Konservativen. Zum einen macht die Glorifizierung der Person Necip Fazıl es nicht leicht, aus dem konservativen Mainstream mit Kritik auszubrechen. Zum anderen läuft man nicht selten auch Gefahr, sich mit der Kritik an NFK als „Nestbeschmutzer“ heftigen Anfeindungen auszusetzen.

Umso bemerkenswerter ist vor diesen Hintergrund ein Beitrag des ehemaligen Muftis von Istanbul, Prof. Mustafa Çağrıcı, in seiner Kolumne in der Tageszeitung Karar, der Mitte Februar erschienen ist. Auch Çağrıcı erweckt zu Beginn seines Beitrags den Eindruck, dass er Kısakürek mehr lobt als kritisiert, jedoch sind die Analysen und das Fazit Çağrıcıs am Ende doch sehr eindeutig. Der Beitrag wurde zu Dokumentationszwecken aus dem Türkischen übersetzt:

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Nach Thüringen – als Muslim jetzt erst recht

Dieser Beitrag erschien erstmals am 06. Februar 2020 in der Rubrik “Resonanzraum” der Alhambra Gesellschaft e.V.

“Das kann nicht sein, das können die nicht gemacht haben!”, so lautet die mildeste Reaktion in meinem Umfeld auf die Wahl des FDP-5%-Kandidaten Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen, und zwar mit der vollen Unterstützung der AFD- Fraktion hinter dem Nazi Höcke. “Es fängt wieder an!”, ist eine andere, schmerzlichere Feststellung.

©Marco Verch – https://flic.kr/p/2hAvbXJ
©Marco Verch – https://flic.kr/p/2hAvbXJ

Besonders in meinem muslimischen Umfeld dominiert die letztere Variante. Kann man es ihnen verdenken? Seien wir einmal ehrlich, wenn die AfD weiteres Gewicht in der Politik bekommt und die “gemäßigte Mitte” sich immer mehr für den Rechtsradikalismus öffnet, so werden dies noch vor allen anderen die Minderheiten in diesem Land zu spüren bekommen: Muslime, Juden, Flüchtlinge und alles was dem “neu-erstarkten deutschen Wesen” als Feind erscheint. An diesem Wesen, das steht außer Zweifel, werden wir Muslime und Juden, Migranten und andere sog. “Randgruppen” nicht genesen. Mag der autochthone, biodeutsche “aufrichtige Demokrat” wieder einmal die Option haben, sich den “Umständen” anzupassen und ins Glied einzureihen. Wir haben diese nicht.

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Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Die muslimische Jugendarbeit ist in einem Transformationsprozess. Einerseits diversifiziert sie sich in ihrer institutionellen Ausgestaltung, andererseits etabliert sich immer mehr die Wahrnehmung der muslimischen Jugendarbeit als die Erfüllung einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Dabei kommen sowohl auf Akteure der muslimischen Jugendarbeit als auch Vertretern von Verwaltung und Politik neue Herausforderungen zu.

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Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Die etablierten Moscheegemeinden wandeln sich. Daneben gibt es neu entstehende soziale Einrichtungen und Träger, deren Akteure zwar eine religiöse Motivation haben, ohne jedoch Religionsgemeinschaft oder religiöser Verein sein zu wollen. VON ENGIN KARAHAN

(erschienen in Herder Korrespondenz, September 2018, S. 16-18, [PDF])

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Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publi­kation erschienen: Aktiv gegen Islam­feind­lichkeit und Antimus­li­mi­schen Rassismus. Akteure und Heraus­for­de­rungen

Neue Publikation der “CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit” von Engin Karahan und Eren Güvercin

Die Phänomene Islam- und Muslimfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus erfahren trotz zunehmender Islam- und Muslimfeindlichkeit in Deutschland und in Europa insgesamt noch eine mangelhafte Wahrnehmung – sowohl von medialer, politischer als auch von gesellschaftlicher Seite her.

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Repräsentanz und Inhalte in der muslimischen Verbandslandschaft

Ein grundsätzliches Problem der muslimischen Community ist, dass Repräsentanz nicht immer mit Inhalten ausgefüllt wird. Kooperationspartner und behördliche Gesprächspartner klagen dann immer wieder, dass man mit muslimischen Vertretern zusammenkommen und sich gut unterhalten kann, aber inhaltlich kaum ein Input kommt. Auch als Community bekommen wir aber immer seltener mit, ob und welche Positionen es von Verbandsseite zu Themen gibt, die uns alle betreffen.

Mittlerweile verschiebt sich die Klage über die muslimische Repräsentanz jedoch immer mehr in eine Richtung, bei der nicht die fehlenden Inhalte beklagt werden, sondern bereits die fehlende Präsenz. Am Austausch und an der Zusammenarbeit Interessierte finden kaum noch Ansprechpartner.

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Nur ein Gefühl der Genugtuung und einige hassende Jugendliche mehr

Ich muss gestehen, ich blicke gerade auch nur noch mit Erstaunen auf den aktuell laufenden Özil-Diskurs und denke mir “Leute, was geht da vor”. Meine Verwirrung speist sich dabei aus der Frage, was aus den ganzen Jugendlichen werden soll, die diese Debatte mitbekommen. Und mich wundert es, wer alles in den #dankeMesut Modus einsteigt. Aber sicherlich nicht, weil ich die Position von durch und durch rassistischen Biedermännern wie Grindel oder Reichelt nachvollziehen kann.

Rassismus ist prägend und bestimmend in diesem Diskurs, das steht hier gar nicht zur Diskussion. Aber Özils Reaktion darauf verhöhnt alles, wofür ich mich persönlich mittlerweile ein Viertel Jahrhundert, davon wohl über 15 Jahre bewusst, in der Community einsetze. Er vermittelt den Jugendlichen nämlich keinerlei Art von Resilienz, er hilft ihnen nicht bei der Bewältigung ihres Alltagsrassismus, er gibt ihnen nichts an die Hand, um gegen diesen Rassismus aufzubegehren, anzukämpfen, weiterzukämpfen. Weiterlesen


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