Alle Beiträge von Engin Karahan

Glauben oder Eindeutigkeit

Glauben oder Eindeutigkeit
Wenn die „Verteidigung der Religion“ einem den Glauben kostet

Hidayet Ş. Tuksal schrieb letzte Woche über ein „Erdbeben im konservativen Milieu“ in der Türkei. Konkret geht es um eine persönliche Erklärung von Talha Hakan Alp, eines bis dahin als konservativ-muslimisch bekannten Gelehrten, der sich nicht nur von seinen bisherigen Positionen distanziert, sondern auch seine Glaubenszweifel öffentlich machte. Tuksal thematisiert dabei einen immer wieder stattfindenden Prozess von Ausgrenzung und Verurteilung innerhalb des muslimisch-konservativen Milieus in der Türkei bei als abweichend markierten Haltungen von ehemaligen Weggefährten. Die Erklärung Alps provoziert jedenfalls eine große Anzahl von Reaktionen herauf – aktuell (Stand: 11.04.21) ca. 1500 Kommentare auf den Thread, die gespickt mit Verurteilungen und Drohungen gegenüber dem Erklärenden waren.

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Französische Revolution in der IGMG – eine IGMG, viele Gesichter?

Französische Revolution in der IGMG – eine IGMG, viele Gesichter?

Der Diskurs über Islam und Muslime in Deutschland und anderen europäischen Staaten nimmt in diesen bewegten Zeiten nicht an Intensität ab. Die Zahl der Beiträge wird zwar mehr, nicht jedoch unbedingt die Zahl der Wortmeldungen auf Seiten der muslimischen Gemeinschaften. Für Öffentlichkeit und Medien ist es aktuell eher schwierig, überhaupt an O-Töne von Vertretern der muslimischen Gemeinschaften zu kommen. Dies zeigte sich auch in einem Pressegespräch des “Mediendienst Integration” am 17. November 2020 unter dem Titel “Berichten über Islam-Themen: Wie kann man Gemeinden richtig einschätzen und ansprechen?”

Hinzu kommt, dass das Handeln und die Kommunikation von manchen muslimischen Gemeinschaften immer wieder erratische Züge aufweist. Logische Brüche und Widersprüche von Aussagen der jeweiligen Zentralen zu Aussagen der Untergliederungen erschweren die Erkenntnis darüber, welche Positionen “verbandlich” sind, welche der Aussagen im Rahmen eines innerverbandlichen Diskurses entstanden sind oder eher aus der jeweiligen Situation heraus formuliert werden.

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Transformationsprozess im Rückwärtsgang?

Transformationsprozess im Rückwärtsgang?

Es sind nun über sechs Jahre her, seit ich keinen Bezug mehr zur IGMG habe. Lange genug, um sich nun doch wieder einmal anzuschauen, wie es um den dominanten Diskurs innerhalb der Gemeinschaft steht. Aufgrund der mittlerweile sehr spärlichen öffentlichen Positionierungen und Stellungnahme des Verbandes werde ich dabei auf zwei Publikationen aus dem Eigenverlag des Verbandes zurückgreifen.

In dem Buch “Derdimiz Davamız 1” (dt. Unsere Sorgen, unser Kampf) des IGMG Vorsitzenden Kemal Ergün sind seine Reden und Vorträge zusammengetragen worden, die er im innerverbandlichen Kontext gehalten hat. Als eine direkte Ansprache der Mitglieder und Verbandsfunktionäre spielen diese für die innerverbandliche Positionierung sicherlich eine große Rolle. In einer deutschen Übersetzung liegen diese Beiträge jedoch so gut wie nicht vor und sind der Allgemeinheit somit nicht zugänglich. Als die Reden des Vorsitzenden einer der größten muslimischen Verbände in Deutschland und Europa sind diese jedoch auch in unserem hiesigen Islamdiskurs relevant.

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Angriff auf die Moschee – was tun?

Angriff auf die Moschee – was tun?

Die Angriffe auf Moscheen in den letzten Wochen haben für unterschiedliche Diskussionen gesorgt, ob es sich bei den betroffenen Moscheen um türkische oder deutsche Einrichtungen handelt, welche Rolle Medien und Politik dabei spielen usw. Eine Frage blieb dabei unbeantwortet: Was können die betroffenen Moscheegemeinden tun und wie können sich die Gemeinden im Allgemeinen auf solch einen Vorfall vorbereiten? Denn konkrete Schritte um mit solch einem Vorfall umzugehen, braucht es weit vor einem tatsächlichen Übergriff.

Obwohl die Zahl der Anschläge in unterschiedlichen Formen auf Moscheegemeinden in den letzten Jahren zugenommen hat, ist das Thema im institutionellen Handeln der muslimischen Gemeinschaften nicht angekommen. Solche Vorfälle dürfen zwar nicht als etwas Alltägliches oder Normales hingenommen werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass sie nicht außerhalb des Wahrscheinlichen liegen. Die aktuellen Angriffe zeigen zudem, dass ihre Auslöser nicht nur in innerdeutschen Islamdebatten liegen müssen. Die gestiegene Sichtbarkeit von Moscheen führt auch dazu, dass sie von Spinnern, die eine politische Message verbreiten wollen, als geeignetes Objekt dafür gesehen werden.

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Muslimische Perspektiven auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland: Hindernisse, Bedenken und Möglichkeiten

Muslimische Perspektiven auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland: Hindernisse, Bedenken und Möglichkeiten

Im Rahmen des Projektes »Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus« wurden im Laufe der Projektzeit (2015-2019) wissenschaftliche Artikel zu unterschiedlichen Fragestellungen in Auftrag gegeben, die unmittelbar der Projektarbeit entsprangen. Vor diesem Hintergrund lieferten die Artikel konzeptionelle und/oder theoretische Erkenntnisse, die die Arbeit des Präventionsnetzwerks grundlegend beeinflussten.

Einen dieser Beiträge stellt eine von Engin Karahan Anfang des Jahres 2016 verfasste Kurz-Expertise dar, die auf der Grundlage von qualitativen Interviews mit Vertretern muslimischer Gemeinschaften, deren Perspektiven und Eindrücke auf Jugendpräventionsarbeit in Deutschland erfassen, systematisieren und fachkundig verständlich machen soll.

Grundlage der Expertise sind fünf Interviews mit Vertretern unterschiedlicher, im Koordinationsrat der Muslime vertretener Gemeinschaften. Die Interviewpartner wurden für die Interviews persönlich angesprochen. Es handelt sich bei ihnen jeweils um Entscheidungsträger in ihrem jeweiligen Verband, in deren Zuständigkeitsbereich der Themenkomplex Prävention fällt oder in der nahen Vergangenheit gefallen ist.

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Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

Hagia Sophia – die “kostspielige Rechnung”

(Dieser Beitrag erschien erstmals auf “Religion&Recht” am 15.07.2020)

Noch vor einem Jahr bezeichnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Forderung nach der Umwandlung der Hagia Sophia als eine Rechnung, “dessen Kosten für uns zu hoch” wären. Mittlerweile müssen sich die Rechnungspositionen dermaßen verschoben haben, dass selbst ein solch “kostspieliger” Schritt für das politische Weiterbestehen notwendig erscheint.

Gebaut wurde die Hagia Sophia im 6. Jahrhundert nach Christus. Zur Moschee wurde sie mit der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen 1453, mit einem Kabinettsbeschluss 1934 der jungen türkischen Republik wurde sie, auch mit der Unterschrift des Rebuplikgründers Mustafa Kemal Atatürk, zu einem Museum. Diese Unterschrift dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass am 10. Juli 2020 erst der türkische Staatsrat (“danıştay”) den damaligen Beschluss für ungültig erklären musste, damit am selben Tag der aktuelle Präsident Erdoğan mit einem eigenen Erlass die Verwaltung der “Hagia Sophia Moschee” der türkischen Religionsbehörde Diyanet übertragen und das Gebäude  zum Gebet freigeben konnte.

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Çağrıcı: „Necip Fazıl – ein Mensch der Ideologie“

Necip Fazıl Kısakürek (geb. 1904) ist in der Türkei nicht erst mit der AKP-Regierungszeit zu Ruhm gekommen, zumal er bereits 1983 verstarb. Aber wohl kaum in einer anderen Phase des Landes war NFK, wie er gerne abgekürzt wird, mit seinem Werk so wirkmächtig, wie in den letzten fast 20 Jahren. Seine Rezeption ist in konservativen Kreisen weit verbreitet, selbst der Präsident hat in seinen Reden immer wieder einen passenden Vers parat. Die Kritik an Kısakürek aus dem linken und kemalistischen Spektrum dürfte in ihrer Intensität der Glorifizierung auf der konservativen Seite entsprechen. Ein aktuelles Beispiel dieser Kritik kann man in Hasan Aksals „Türk Muhafazakarlığı’ (Der türkische Konservatismus) nachlesen, der ich mich inhaltlich auch weitgehend anschließen kann.

Was relativ selten wahrgenommen wird, ist die Kritik an Kısakürek von wiederum anderen Konservativen. Zum einen macht die Glorifizierung der Person Necip Fazıl es nicht leicht, aus dem konservativen Mainstream mit Kritik auszubrechen. Zum anderen läuft man nicht selten auch Gefahr, sich mit der Kritik an NFK als „Nestbeschmutzer“ heftigen Anfeindungen auszusetzen.

Umso bemerkenswerter ist vor diesen Hintergrund ein Beitrag des ehemaligen Muftis von Istanbul, Prof. Mustafa Çağrıcı, in seiner Kolumne in der Tageszeitung Karar, der Mitte Februar erschienen ist. Auch Çağrıcı erweckt zu Beginn seines Beitrags den Eindruck, dass er Kısakürek mehr lobt als kritisiert, jedoch sind die Analysen und das Fazit Çağrıcıs am Ende doch sehr eindeutig. Der Beitrag wurde zu Dokumentationszwecken aus dem Türkischen übersetzt:

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Nach Thüringen – als Muslim jetzt erst recht

Dieser Beitrag erschien erstmals am 06. Februar 2020 in der Rubrik “Resonanzraum” der Alhambra Gesellschaft e.V.

“Das kann nicht sein, das können die nicht gemacht haben!”, so lautet die mildeste Reaktion in meinem Umfeld auf die Wahl des FDP-5%-Kandidaten Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen, und zwar mit der vollen Unterstützung der AFD- Fraktion hinter dem Nazi Höcke. “Es fängt wieder an!”, ist eine andere, schmerzlichere Feststellung.

©Marco Verch – https://flic.kr/p/2hAvbXJ
©Marco Verch – https://flic.kr/p/2hAvbXJ

Besonders in meinem muslimischen Umfeld dominiert die letztere Variante. Kann man es ihnen verdenken? Seien wir einmal ehrlich, wenn die AfD weiteres Gewicht in der Politik bekommt und die “gemäßigte Mitte” sich immer mehr für den Rechtsradikalismus öffnet, so werden dies noch vor allen anderen die Minderheiten in diesem Land zu spüren bekommen: Muslime, Juden, Flüchtlinge und alles was dem “neu-erstarkten deutschen Wesen” als Feind erscheint. An diesem Wesen, das steht außer Zweifel, werden wir Muslime und Juden, Migranten und andere sog. “Randgruppen” nicht genesen. Mag der autochthone, biodeutsche “aufrichtige Demokrat” wieder einmal die Option haben, sich den “Umständen” anzupassen und ins Glied einzureihen. Wir haben diese nicht.

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Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Interne Herausforderungen und Entwicklungspotentiale muslimischer Jugendarbeit

Die muslimische Jugendarbeit ist in einem Transformationsprozess. Einerseits diversifiziert sie sich in ihrer institutionellen Ausgestaltung, andererseits etabliert sich immer mehr die Wahrnehmung der muslimischen Jugendarbeit als die Erfüllung einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe. Dabei kommen sowohl auf Akteure der muslimischen Jugendarbeit als auch Vertretern von Verwaltung und Politik neue Herausforderungen zu.

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Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Umbruch an der Basis – Neue islamische Akteure

Die etablierten Moscheegemeinden wandeln sich. Daneben gibt es neu entstehende soziale Einrichtungen und Träger, deren Akteure zwar eine religiöse Motivation haben, ohne jedoch Religionsgemeinschaft oder religiöser Verein sein zu wollen. VON ENGIN KARAHAN

(erschienen in Herder Korrespondenz, September 2018, S. 16-18, [PDF])

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