IZ: Einheit durch den KRM – Illusion oder Chance?

In der Islamischen Zeitung stellt Khalil Breuer unter der Überschrift “Einheit durch den KRM – Illusion oder Chance?” die Frage, wer denn die Position der Muslime wirklich koordiniert? Breuer kritisiert in seinem Beitrag zu Recht, dass Muslime zu den “bedeutenden” Fragen der heutigen Zeit nicht einmal im Ansatz versuchen, Antworten zu liefern:

Genauso wie die Kirchen eine mehr oder weniger globalisierungskritische Position einnehmen, müssen auch Muslime hier Flagge zeigen. Was sagt der Qur’an zu Zakat, Zins oder Eigentum? Kann man die Zakat mit einer Währung bezahlen, die stündlich an Wert verliert? Noch konkreter, was denken Muslime über Banken – symbolisieren sie unser ökonomisches Angebot oder sind sie doch nichts anderes als eine schlechte Kopie und eine Art „islamischer Whiskey“? Um hier argumentieren zu können, muss man das islamische Recht und die europäische Wirtschaftsgeschichte gleichermaßen verstehen.


Tatsächlich sind die Antworten von muslimischer Seite auf diese und andere Fragen mehr als dürftig. Breuer macht auch seine Erwartung deutlich, dass solche Antworten auch in den Aufgabenbereich des nun nicht mehr ganz so neuen Koordinationsrat der Muslime fallen müssten:

Der KRM, der Koordinierungsrat der Muslime, will dankenswerterweise die praktizierenden Muslime in Deutschland vertreten. Im Moment gibt es allerdings, da die tragenden Großverbände diesen Rat augenscheinlich finanziell kaum ausstatten wollen, kaum eine klar ausgearbeitete Programmatik. Es existiert noch nicht einmal eine gemeinsame Webseite oder ein Lobby-Büro in Berlin. Schlimmer noch, es gibt zu den brennenden Fragen dieser Zeit auch noch keine einheitliche Position.

Ausführungen, denen ich an sich nur zustimmen kann. Es fehlt wirklich all dieser Elemente, aber nicht nur beim KRM. Oftmals können nicht einmal alle Mitgliedsverbände des KRM solch eine Infrastruktur vorweisen.Es fehlt einfach an der wichtigsten Ressource, nämlich der Ressource Mensch. Ohne Menschen mit einer gewissen Befähigung und dem Willen, sich auch in der muslimischen Community zu engagieren, kann nichts von dem funktioneren, was Breuer berechtigterweise fordert:

Die Einheit der Muslime würde auch voraussetzen, dass wir Einrichtungen und Absichten haben, die nicht nur dem eigenen Verbandswohl, sondern dem Wohl aller Muslime gewidmet sind. Hierzu gehört beispielsweise der regelmäßige Austausch unserer Gelehrten, gemeinsame Medieninitiativen, interne Veranstaltungen oder Stiftungen, die soziale Aspekte betreuen, die uns Muslime alle angehen. Erst dann würde unsere Stimme nicht nur hörbarer koordiniert, sondern auch überzeugender veröffentlicht.

Zweifellos gibt es sehr viele Brüder und Schwestern, die sich in zahlreichen muslimischen Institutionen, ob groß oder klein (die IZ ist sicherlich eine davon), einsetzen und engagieren. Es gibt aber noch eine größere Zahl von Brüdern und Schwestern, die an sich dazu fähig wären, aber keine Bereitschaft zeigen, freiwilliges Engagement zu zeigen. Während wir sehr oft von Solidarität und Dienst an der Gemeinschaft sprechen, setzen dies leider nur sehr wenige in die Tat um.

Oftmals liegt der größte Einsatz, den der eine oder andere vorweisen kann, einfach nur in einer pauschalen Kritik der muslimischen Verbände oder anderer muslimischer Institutionen.

Ich kann diesem Klagen über das, was die Verbände oder der KRM machen muss, soll, kann usw nicht viel abgewinnen. Ja, die Verbände und der KRM haben viele Defizite, dafür müssen sie auch kritisiert werden. Das größte Defizit ist aber einfach das fehlende Personal, um neue Arbeitsfelder abzudenken. Statt sich permanent über die Verbände zu beschweren (damit meine ich jetzt nicht Bruder Khalil Breuer, sondern eine weit verbreitete Attitüde in der muslimischen Community) kann man doch versuchen, das Heft in die Hand zu nehmen und die eigenen Fertigkeiten für die Community einzubringen. Dazu bedarf es aber, egal ob man sich bei den größeren Verbänden oder bei kleineren Initiativen einbringt, eines Mindestmaßes an Konsensfähigkeit und der Bereitschaft, eigene Ansprüche auch mal zurückzunehmen.

Gerade als Seiteneinsteiger muss man sich auch bewusst sein, dass man/frau sich seine/ihre Sporen erst einmal verdienen muss. Das Gewähren eines Anspruchs auf Autorität gegenüber allen anderen aufgrund der eigenen Selbstwahrnehmung sollte man nicht erwarten.

Diese Haltung sehe ich aber leider sehr oft bei vielen Schwestern und Brüdern, die zwar sehr eifrig darin sind, die Verbände zu kritisieren, selbst aber kaum in der Lage sind, in einer Drei-Personen-Gruppe zu einem Konsens zu kommen. Wenn dann auch noch die Selbstüberschätzung dazukommt, man würde ja eigentlich für alle Muslime sprechen (auch wenn diese davon keine Ahnung haben) ist der Frust fürs Leben eigentlich schon vorprogrammiert. Man wird für immer unverstanden bleiben und Schuld daran sind natürlich immer die anderen.

Islam in Deutschland: Politische Notizen Ein Tagebuch