Ohne Pressefreiheit bleiben Opfer unsichtbar — ROG zum Internationalen Tag der Pressefreiheit

Zum Inter­na­tio­na­len Tag der Pres­se­frei­heit am 3. Mai lenkt Repor­ter ohne Gren­zen (ROG) den Blick auf die „Leer­stel­len“, die ent­ste­hen, wenn Medien nicht frei berich­ten dür­fen. Mit der neuen Kam­pa­gne „Ohne Pres­se­frei­heit blei­ben Opfer unsicht­bar“ stellt ROG die Fol­gen von Zen­sur, Ver­fol­gung von Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten und Angrif­fen gegen Medien in den Mittelpunkt.

Mit einer Pro­test­ak­tion vor dem Bran­den­bur­ger Tor am 2. Mai (Bild­ter­min 11 Uhr) zeigt ROG, was es heißt, wenn Bericht­er­stat­tung unter­drückt wird. Es wird eine Käfig-Installation zu sehen sein, darin: Men­schen in Not­si­tua­tio­nen, die kein Gesicht mehr haben – wehr– und namen­lose Opfer. „Kor­rup­tion, Amts­miss­brauch, reli­giöse, eth­ni­sche oder sexu­elle Ver­fol­gung von Men­schen – viele Ver­bre­chen blei­ben im Dun­keln, wenn nie­mand den Opfern ein Gesicht und eine Stimme gibt. In Län­dern wie Mexiko, Russ­land, Pakis­tan oder Ita­lien set­zen Repor­te­rin­nen und Repor­ter ihr Leben aufs Spiel, wenn sie Miss­stände öffent­lich machen“, so ROG-Geschäftsführerin Elke Schäfter.

Wir for­dern zum Inter­na­tio­na­len Tag der Pres­se­frei­heit einen bes­se­ren Schutz von Medien und ihren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern. Auch in Kriegs­zo­nen müs­sen Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten unge­hin­dert recher­chie­ren kön­nen: Reporter/innen haben den­sel­ben Sta­tus wie Zivi­lis­ten, das müs­sen Armeen und bewaff­nete Grup­pen respek­tie­ren“, erklärt Elke Schäf­ter weiter.

Auf einer neuen zum 3. Mai ver­öf­fent­lich­ten Liste der „Feinde der Pres­se­frei­heit“ benennt ROG die 40 repres­sivs­ten Akteure und Insti­tu­tio­nen. Dar­un­ter sind nicht nur Regie­run­gen, son­dern auch para­mi­li­tä­ri­sche und ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen, Rebel­len und kri­mi­nelle Netz­werke. Ein Bei­spiel ist Mexiko mit den Dro­gen­kar­tel­len in Tijuana, Sina­loa, Ciu­dad Juá­rez und der Golf-Region: Die Hälfte der min­des­tens 46 seit dem Jahr 2000 in Mexiko ermor­de­ten Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten haben zum Thema Dro­gen­han­del und den dahin­ter ste­hen­den kri­mi­nel­len Netz­wer­ken recherchiert.

Auch in Ita­lien gera­ten Medienmitarbeiter/innen in die Schuss­li­nie, wenn sie über mafiöse Grup­pen berich­ten. Das Land ran­giert des­we­gen neu auf der „Liste der Feinde der Pres­se­frei­heit“. Zehn Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten ste­hen der­zeit unter Polizeischutz.

Das Aus­maß und die Fol­gen von Men­schen­rechts­ver­stö­ßen wie in Sri Lanka, Afgha­nis­tan, Irak oder Soma­lia sind oft schwer aus­zu­ma­chen, weil unab­hän­gige Berichterstatter/innen kei­nen Zutritt zu den Regio­nen haben. „Ganze Land­stri­che sind ‚blinde Fle­cken der Infor­ma­tio­nen’: Wir kön­nen die Lebens­si­tua­tion der Men­schen nur erah­nen“, so Michael Rediske, Vor­stands­spre­cher von ROG. „Beson­ders dra­ma­tisch ist die Situa­tion der­zeit in den pakis­ta­ni­schen Stam­mes­ge­bie­ten und der Pro­vinz Belut­schis­tan an der Grenze zu Afgha­nis­tan. Mit vier getö­te­ten Jour­na­lis­ten im Jahr 2009 ist Pakis­tan der­zeit das gefähr­lichste Land für Medi­en­mit­ar­bei­te­rin­nen und Medi­en­mit­ar­bei­ter“, erklärt Michael Rediske.

In Kon­flikt­re­gio­nen wird es für Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten immer schwie­ri­ger zu berich­ten. Infor­ma­ti­ons­kon­trolle ist zu einem stra­te­gi­schen Ziel vie­ler Armeen und bewaff­ne­ter Grup­pen gewor­den. Zudem gera­ten Medienmitarbeiter/innen schnel­ler in die Schuss­li­nie. Im Irak sind bei­spiels­weise in sechs Jah­ren, von 2003 bis 2009, zwei­mal mehr Medienmitarbeiter/innen getö­tet wor­den (225) als in 20 Jah­ren Vietnam-Krieg von 1955 bis 1975 (102).

Ohne Pres­se­frei­heit blei­ben Opfer unsicht­bar.“: Das Thema geht uns alle an. Wenn Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten nicht berich­ten kön­nen, ist eine freie Mei­nungs­bil­dung nicht mehr mög­lich, gibt es kei­nen fried­li­chen Aus­tausch von Inter­es­sen, kann keine sta­bile demo­kra­ti­sche Gesell­schaft ent­ste­hen. „Poli­tik und Gesell­schaft müs­sen sich glei­cher­ma­ßen für das hohe Gut der Pres­se­frei­heit ein­set­zen“, for­dert Michael Rediske.

Wei­tere Infos fin­den Sie hier.

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