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Seidel: „Politik als Korrektiv der vierten Gewalt“

In der taz legt der Journalist Eberhard Seidel den Finger in die Wunde seiner Zunft und klagt über den „Verfall der Öffentlichkeit“. Seit nunmehr fünf Jahren werde „das Lied der gescheiterten Integration gesungen“. Von Giordano, Ates, Kelek und Broder, genauso wie von FAZ und taz.

Doch die dabei entstehende Melodie, ist offensichtlich nicht die vertraute aus den 90er Jahren. Damals waren es in der „Kampagne gegen Asylsuchende“ Journalisten, die den „Scharfmachen aus Parlamenten die Stirn“ boten. Nun sind es jedoch die Medien, die sich beim Thema Integration mit einer asymmetrischen Berichterstattung hervortun.

„Ressentimentgeladen, unfähig und unwillig, den aktuellen Entwicklungsstand der Einwanderungesellschaft zu reflektieren“, sei ihr vermeintlich aufklärerisches Tun gespeist vor Ängsten vor Verlust der gesellschaftlichen Kontrolle.

Das Resultat: In einer Tageszeitung erscheinen seit 2007 300 Beiträge zu Ehrenmord, Zwangsheirat und Rütli-Schule. In der gleichen Zeit findet nur ein Artikel über eine Studie Eingang in die Zeitung, die positive Entwicklungen bei Migranten feststellt.

Da mag dann sogar die „Politik als Korrektiv der vierten Gewalt“ wirken. Nur ob das nicht wieder direkt vom Regen in die Traufe führt, darüber lässt sich genüsslich streiten. (aek)

Associated Press-Handbuch. Journalistisches Schreiben

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