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11.000 kamen zur Gaza-Demonstration in Duisburg

Mindestens 11.000 Demonstranten haben an dem Protestmarsch gegen den Krieg im Gaza-Streifen in Duisburg teilgenommen. Organisiert wurde die Demonstration von den vier nordrhein-westfälischen Regionalverbänden Köln, Düsseldorf, Nord-Ruhr und Ruhr-A der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs(IGMG). Der Protestmarsch unter dem Motto „Stoppt den Krieg in Gaza“ setzte sich vom Duisburger Bahnhof in Bewegung. Er  verlief über die Friedrich-Wilhelm-Straße und der Steinschen Gasse zum Burgplatz (Am Rathaus). Dort fand die Abschlusskundgebung der Demonstration statt. Den friedlichen Verlauf des Demonstrationszuges störte ein unglücklicher Vorfall. Einige Demonstranten bewarfen zwei israelische Fahnen in einem Obergeschoss eines Wohnhauses mit Schneebällen. Die Ordner der IGMG sperrten den Bereich vor dem Wohnhaus ab und sorgten dafür, dass der Protestmarsch fortgesetzt wurde. Einige der jungen Provokanten konnten davon abgehalten werden, Schneebälle nach den Fahnen zu werfen, bei einigen gelang dies jedoch nicht. „Von solchen Provokateuren distanzieren wir uns in aller Klarheit“, sagte Oguz Ücüncü, Generalsekretär der IGMG. „Den Zugang zu einer Demonstration kann man nicht kontrollieren und leider kann es vorkommen, dass sich unter die friedlichen Demonstranten immer wieder auch solche Provokateure und Krawallmacher mischen. Wir haben als Veranstalter unser bestes gegeben, um solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Dass dies uns außer diesem Einzelfall weitestgehend gelungen ist, wird die Polizei auch sicherlich bestätigen. Leider kann man jedoch nicht alles und jeden bei einer Demonstration von solch einer Größe kontrollieren. Wir bedauern den Vorfall und distanzieren uns davon.“ Ohne weitere Vorfälle zog der Protestmarsch zum Duisburger Rathaus. Auf der Abschlusskundgebung auf dem Burgplatz richteten die Regionalverbandsvorsitzenden ein Grußwort an die Teilnehmer und dankten für das zahlreiche Erscheinen. Als Redner trat der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya auf. In seiner Rede kritisierte Kizilkaya die israelischen Angriffe auf den Gaza-Streifen und verurteilte die Tötung von Zivilisten. Kizilkaya wies auf die miserable Situation der Palästinenser im Gaza-Streifen hin und forderte die Beendigung jeglicher Kampfhandlungen und ein Ende der Blockadepolitik Israels. Auch Yavuz Celik Karahan kritisierte die anhaltende Besatzung der Palästinensergebiete und das völkerrechtswidrige Verhalten Israels. Er wies auf das Leid der Palästinenser hin, die seit Monaten nun von der Zufuhr von Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff abgeschnitten sind. In dieser Situation sehen sich die Palästinenser auch noch erbarmungsloser Angriffe der israelischen Armee gegenüber gestellt. Karahan kritisierte insbesondere die Ohnmacht der Weltöffentlichkeit und das Wegschauen vieler Staaten. Karahan schloss seine Rede mit dem Wunsch nach sofortiger Einstellung aller Gewalthandlungen und einem Frieden im Nahen Osten ab. Die Demonstranten zogen anschließend wieder zum Duisburger Hauptbahnhof, wo sich die Demonstration schließlich auflöste.
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5 Responses to 11.000 kamen zur Gaza-Demonstration in Duisburg

  1. Gilbert says:

    Insgesamt wohl bundesweit eines der besten Beispiele, dass die demokratischen Regeln funktionieren. Demonstrationen in dieser Größenordnung ohne auch nur kleinere Krawalle am Rande – wann hat es die hier zum letztenmal gegeben?

    Leider nutzen die pro-israelischen Gruppen die von dir erwähnten Randvorgänge in verschiedenen Demonstrationen, für die man bei vielen sogar durchaus Verständnis entwickeln kann, vom Thema abzulenken. Dabei gehen einige sogar so weit, der Polizei, die durch ihr Verhalten ja nun auch zu diesem Erfolg beigetragen hat, Vorwürfe zu machen, weil sie nicht durch hartes Einschreiten Krawalle ausgelöst hat (zumindest kann man das zwischen den Zeilen so lesen). Mit Erfolg, denn vielfach ist Gaza komplett aus der Diskussion verschwunden.

    Ehrlich gesagt, ich kann mit dieser Sorte von meinen Landsleuten inzwischen nicht mehr viel anfangen. Sicher, es gibt noch einiges zu klären im Verhältnis Deutsche – Muslime – Migranten, und man sollte in vielem wohl mal offener sprechen und auch zuhören, als das bislang geschieht, aber das Leid anderer ausnutzen, um hier ein paar andere Hühnchen zu rupfen, ist moralisch mehr als verwerflich.

    Die jüdischen Organisationen mahnen derzeit die gefühlte Zunahme eines Antisemitismus an. Fasst man mal die verschiedenen Sachen zusammen, das lang- und kurzfristig objektiv völkerrechtswidrige Verhalten Israels, die Synonymisierungen Israel=Judentum und Israelkritik=Antisemitismus, das ständige über-den-Mund-fahren des ZdJ selbst bei den lächerlichsten Gelegenheiten, bei denen man Beleidigtsein demonstrieren kann, die überwiegende Meinung in der deutschen Gesellschaft, dass nach 65 Jahren gewisse Schlussstriche unter die Vergangenheit gezogen werden sollten – kann man durchaus auf die Idee kommen, dass sie sich die Antisemiten selbst backen.

  2. Hans says:

    Gut, dass man sich hier von den gewaltätigen Demonstranten deutlich distanziert. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in Deutschland, die geschützt werden muss. Ob jemand die Flagge Israels oder eines islamischen Staates zeigt, soll jedem selbst überlassen sein. Toleranz ist hier gefordert.

    Trautig dennoch, dass viele Demonstranten – und das waren nicht nur einzelne Störer, sondern die Mehrheit der Demonstranten – die Entfernung der Flagge in Duisburg mit Applaus begleitet haben. Möchten sie nicht auch ihre Meinung offen kundtun dürfen?

  3. @Hans,

    es waren definitiv nicht die Mehrheit der Demonstranten. Ich war an der Organisation in Duisburg beteiligt und insoweit auch vor Ort. Es waren vereinzelte Werfer, die uns auch über die gesamte Veranstaltung Sorgen gemacht und am Ende sogar teilweise des Platzes verwiesen wurden. Es waren aber gerade auch die Ordner des Veranstalters, die den Schneeballwerfern in die Arme gegriffen (offensichtlich gelang das leider nicht bei allen) und auch den Demonstrationszug vorsorglich vom betroffenen Haus entfernt haben. Letztendlich kann man sicherlich die Schneeballwerfer wohl an zwei Händen abzählen

    In der ganzen Debatte kommt dies nicht vor, auch der vorbildliche Verlauf der Demo wird nicht erwähnt. Keine Pöbeleien gegenüber der Polizei, kein Pflasterstein wurde bewegt, keine Pflanze umgeknickt. Niemand musste von den Straßenrändern flüchten. Vermummte gab es so gut wie keine, bis auf einige, die ihren Schal zumeist wegen der eisigen Kälte bis über die Nase gezogen hatten und selbst diese wurden von den Ordnern des Veranstalters verwarnt. Wie es schon Gilbert sagte, wann gab es das eigentlich das letzte Mal bei einer Demo dieser Größenordnung.

    Darüberhinaus kann ich die Empörung (nicht jedoch das Bewerfen dieser) über das Hissen der israelische Fahne verstehen. Ja man muss dies tolerieren aber sicherlich nicht kommentarlos vorbeiziehen. Der verbale Protest war meiner Meinung nach berechtigt und angemessen. Letztendlich ist es der israelische Staat, der sowohl als Besatzungsmacht, als auch als derjenige, der den Finger am Abzug der israelischen Militärmaschinerie hat, die Verantwortung für das 60-jährige Besatzungsleid und an dem derzeitigen Sterben trägt. Ich finde es jedoch eine Unmöglichkeit, den Staat Israel mit dem Judentum gleichzusetzen oder das Judentum mit dem Staat Israel. Mag sein, dass Israel zur Legitimation des eigenen Handelns immer wieder jüdische Symbole missbraucht. Dies macht Israel aber nicht zum “Judentum” per se. Kritik am israelischen Handeln und die Ablehnung des israelischen Mordens im Gaza-Streifen als “judenfeindlich” zu bezeichnen (so wurde die Demo in Duisburg teilweise in den Medien bezeichnet) ist einfach nur verlogen, mehr nicht.

    Tut mir leid, wenn ich so scharf formuliere, aber wenn man den Ablauf der gesamten Demo sich ansieht (auf der weder antisemitische, noch rassistische, noch judenfeindliche Parolen gefallen, nicht einmal grenzwertige Transparente zugelassen wurden) und sich jetzt diese Debatte anhören muss, wird man zwangsläufig etwas sauer. Mal abgesehen davon, dass seit wir diese Flaggendebatte in NRW führen, wiederum über 300 Zivilisten im Gaza-Streifen von Granaten, Raketen und Gewehrkugeln getötet worden sind, aber die interessieren ja nicht.

  4. Gilbert says:

    Ein israelischer Regierungssprecher wurde in Deutschlandradio mit den Worten

    “Wir brauchen keinen Frieden. Uns genügt Ruhe.”

    zitiert. Einer Interpretation bedarf eine solche Aussage wohl kaum. :-(

  5. Hier in den USA konnte ich gerade eine Demonstration gegen den Krieg in Gaza erleben, bei dem muslimische und nichtmuslimische Demonstranten sowohl palästinensische wie amerikanische Flaggen trugen und auch nicht böse auf einen Gegendemonstranten reagierten, der auf der anderen Seite mit der Fahne Israels auf und ab ging. Mit Bild hier:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5484847/

    Es muss möglich sein, unterschiedliche Auffassungen friedlich und im demokratischen Meinungsstreit auszutragen. Die Schneeballwerfer leisten nicht nur ihren Mitdemonstranten, sondern auch den Menschen in Gaza einen Bärendienst, die keine (weiteren) Hitzköpfe, sondern endlich besonnene Vertreter und Freunde brauchen.

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